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Padampura

„Ich bin sehr gerne in der Nachtschule, weil ich hier meine Freunde habe und spielen kann.“

Ich bin Ganesh.

Ich bin 6 Jahre.

Ich muss früh aufstehen, um 5 Uhr morgens. Mit meinen Eltern gehe ich zur Arbeit im Salzsee. Wir schürfen Salz, den ganzen Tag. Am Abend, wenn wir fertig sind und nach Hause kommen, darf ich in die Schule. Darauf freue ich mich.

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Mein Alltag in Padampura.

Wenn mein Tag am Salzsee um ist, gehe ich mit meinen Freunden in die Schule. Hier dürfen wir, bevor der Unterricht beginnt, spielen. Dann lernen wir lesen und schreiben und rechnen. Gemeinsam lachen wir und singen auch. Schnell wird es dunkel und oft sind wir müde. Aber wir sind zusammen, bis die Schule aus ist. Das ist schön.

Was kommt nach der Nachtschule?

Wenn es zu ermöglichen ist und von den Eltern erlaubt wird, können die Kinder in die Brückenschule in Singla gehen. Die Schule in Singla ist ein Internat, es nimmt die Kinder jeweils für 1 Jahr auf. Hier erhalten sie eine umfassende Ausbildung und Fürsorge. Es besteht so die Chance, nach einem erfolgreichen Jahr auf eine staatliche Schule zu wechseln oder eine berufliche Ausbildung zu machen.

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Die Nachtschulen in Indien

Was ist eine Nachtschule?

Nachtschulen öffnen gegen 18 Uhr abends, um 19 Uhr etwa beginnt der Unterricht, für zwei Stunden. Um diese Zeit wird es bereits dunkel – auch daher der Name Nachtschule. Diese Schulen öffnen für Kinder, die tagsüber mit ihren Eltern arbeiten müssen, um das tägliche Überleben zu sichern. Für zwei Stunden am Abend dürfen hier Kinder einfach Kinder sein – und etwas lernen.

 

Die Nachtschulen vermitteln den Kindern trotz der täglichen schweren Arbeit ein Minimum an Bildung, nachholende Grundbildung, als Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben. Sie erlernen Alltagswissen, soziale Kompetenzen und Selbstwertgefühl. Ziel ist es darüber hinaus, die bestehende Landflucht einzudämmen. Diese ist groß. Viele junge Leute träumen von einem besseren Leben in den Städten. Oft führt diese Flucht in die Stadt, in ein Leben in den Slums, ohne Arbeit und ohne Zukunft.

Philosophie & Leitbild der Nachtschulen

Nachtschulen befinden sich in der Regel in Dörfern, die weitab sonstiger Schulen liegen, und somit für die Kinder nicht erreichbar sind. Nach einem arbeitsreichen schweren Tag würde diese für die Kinder auch nicht zur Verfügung stehen. Nachtschulen passen sich den Lebensbedingungen der Familien, vor allem auch der Kinder an. Friends-for-Hope e. V. und Barefoot College engagieren sich intensiv für diese Nachtschulen.

 

Es gibt 108 Nachtschulen in dieser Gegend in Indien. Und über 3500 Kinder der Ärmsten der Armen lernen dort. Jede Schule unterrichtet etwa 30 Kinder. Die Schulen werden von den Dorfgemeinschaften mitinitiiert und -getragen und von Friends-for-Hope e. V. und Barefoot College durch Management und Capacity Building unterstützt. Für menschennahe und menschenwürdige Bildung, die nah am Alltag der Menschen und Kinder ist.

Wer geht in die Nachschulen?

Die Kinder, die hier unterrichtet werden, kommen vornehmlich aus Familien von Wanderarbeitern, die sich als Tagelöhner verdingen. Sie arbeiten zum Beispiel in der Salzgewinnung oder in  Marmorwerken. So auch die Kinder. Oder sie ziehen umher, leben am Straßenrand oder in Slums auf der Suche nach Beschäftigung. Die Kinder sind dabei, sie betteln, sammeln Müll oder müssen in fremden Haushalten arbeiten. Oft gehören sie der untersten Kaste, der der Unberührbaren an.

 

Es fehlt an regelmäßiger Ernährung, sauberem Wasser, medizinischer Versorgung. Es herrscht Unsicherheit und Angst. Ohne entsprechende Vorbereitung haben die Kinder keinerlei Chance, eine staatliche Schule zu besuchen.

Wie schaut der Unterricht aus?

An sechs Tagen der Woche besuchen die Kinder die Nachtschulen. Es gibt fünf Gruppen unterschiedlichen Alters und Alphabetisierungsstands. Die Kleinen sind etwa fünf bis acht Jahre alt, die Größeren neun bis zwölf. Sie lernen die Grundlagen lesen, schreiben, rechnen, aber auch so etwas wie Biologie – also Alltagswissen zum Beispiel über die Gesundheit der Tiere oder die Bedeutung von sauberem Wasser. Dieses ist praxisbezogen und auf die Bedürfnisse der Menschen ausgerichtet. Hinzu kommt die Sprache Hindi, da viele der Kinder lediglich die regionalen Dialekte sprechen.

 

Da es viele Hirten gibt, lernen sie viel über Ziegen und Rinder, was sie gesund hält, wie man sie am besten ernährt. Doch Nachtschulen sind nicht nur ein Ort der Bildung, sie sind auch ein Ort des Spielens. Vor dem Unterricht dürfen die Kinder spielen und sich austoben.